Der Ausflug nach Helsingör und Helsingborg

 Aus: Jules Verne´s Reise zum Mittelpunkt des Nordens 1881

(v. Friedemann Prose, Kiel 2012, Ed.)

 

 Der Ausflug nach Helsingör und Helsingborg

 

Freitag, 24. Juni

Um 7 Uhr sind wir mit einem Schraubendampfer nach Helsingör abgefahren. Die Küste, der Wald, die Villen, die Piers. Das schöne Laubgrün. Um 9 Uhr 1/2 sind wir in Helsingör angekommen. Der Anblick des Hamlet-Schlosses. Der Hafen. Die Stadt. Das Frühstück wurde von Paul im Öresund Hotel spendiert. Danach haben wir das Schloss besichtigt. Das Museum. Die Kasernen. Ein Bataillon befand sich gerade bei Manöverübungen. Wir stiegen auf den quadratischen Eckturm. Der Sund war zu sehen und die Küste von Schweden. Hunderte von Schiffen unter Segeln. Um 1 Uhr haben wir uns auf dem Raddampfer Gylfe nach der schwedischen Küste eingeschifft. Die Überfahrt dauerte 15 Minuten. Wir haben Helsingborg gesehen und sind dann wieder nach Helsingör zurückgekehrt. Noch immer der gleiche Drakkar.Die Küste entlang. Um 5 Uhr sind wir angekommen. Der Kapitän der Gylfe ist liebenswert.

Diner. Danach ins Tivoli. Ega und Walery. Ein Ballon. Die Illumination. Die Rückkehr war um 10 Uhr 1/2.

 

 

Am nächsten Morgen gingen wir um sieben Uhr an Bord eines Passagier-Schraubendampfers, der am großen Holzkai von Kopenhagen die Leinen loswarf und Kurs auf Helsingör nahm. Diese schnellen Dampfer, die ausschließlich dazu bestimmt sind, die Verbindungen entlang der dänischen Küste zu bedienen, bieten den Passagieren sehr viel Komfort. Ihre Salons sind geräumig und geschmackvoll ausgestattet, und das "Spardeck", das das gesamte Achterschiff einnimmt, erlaubt den Touristen, diese hinreißende Küste zwischen Kopenhagen und dem äußersten Norden der Meerenge nach ihrem Belieben zu bewundern.

 

Helsingör ist eine kleine Stadt mit neuntausend Einwohnern, in der sich die meisten Schiffe, die in den Sund[63] hineinfahren, und Gott allein weiß, ob er sie durchfahren lässt!, verproviantieren. Es hat einen kleinen malerischen Hafen, der das Gegenstück zu dem von Helsingborg an der schwedischen Küste, auf der anderen Seite der Meerenge, darstellt.

Gleich nachdem wir gegen neuneinhalb Uhr gelandet waren, wurde die Frühstücksfrage im Hotel Öresund gelöst, wo wir sehr gastlich empfangen wurden; danach, ohne auch nur einen Augenblick zu verlieren, machten wir uns auf, Schloss Kronborg zu besichtigen, den großen Anziehungspunkt für unseren Ausflug.

Die Schlosskapelle ist sehr bemerkenswert und verdient es, dass man dort innehält. Über das Innere des Schlosses gibt es nicht viel zu berichten. Die zahlreichen Zimmer, die es enthält, sind mit Gemälden ohne großen Wert geschmückt. Aber die Aussicht, die man durch die Fenster und vor allem von der Plattform des viereckigen Turmes, der die Festung beherrscht, aus hat, ist wirklich großartig.

 

Der Sund[64] wurde jetzt in allen Richtungen durch Schiffe jeder Größenordnung durchkreuzt, Galioten, Schoner, Dreimaster, Briggs und Dampfer, von denen die einen die Meerenge herauf-, die anderen hinabfuhren. Ich schätze die Zahl der englischen, schwedischen, dänischen, norwegischen Seefahrzeuge[65], die sich gleichzeitig auf dem friedlichen Wasser zeigten, auf mehr als fünfhundert. Weder die Bucht von Neapel, noch die Mündung des Bosporus, noch die Strasse von Messina, von Taormina aus gesehen, übertreffen an Schönheit diesen Ort der Einfahrt in den Sund. Gegenüber zeichnet sich, mit einigen Bergen im Hintergrund und vorn der malerischen Stadt Helsingborg, die schwedische Küste ab. Im Norden erweitert sich plötzlich das Kattegat, mit seinen azurblauen Fluten und den eigenwillig zerklüfteten Gestaden[66], zu einer tiefen Bucht, die sich nach Westen herum ausdehnt. Nach den anderen Richtungen hin erfrischt sich das Auge an den so grünen Gefilden dieses schönen Landes. Es ist unmöglich, sich eine harmonischere Gesamtansicht zu erträumen. Man reißt sich dann auch nur ungern von einem derartigen Anblick los.

 

Aber um nicht gar das Boot nach Kopenhagen zu verpassen, durften wir keine einzige Minute mehr verlieren.

 


[63] Öresund

[64] hier nur vier Kilometer breit

[65] In der Hartleben-Übersetzung wurden in die Aufzählung auch "deutsche" Schiffe hinzugefügt.

[66] Mit dem pittoresken Ausleger der schwedischen Küste, den Kullabergen.