Kiel maritim: Möbius Zoologische Pfingstreise

 

Möbius, Karl: Eine zoologische Pfingstreise, aus: Zeitung "Neues Hamburg",

17. Juli 1863

 

Aus der Zeitung "Neues Hamburg"  vom 17. Juli 1863

Verfasser: Karl Möbius

 

 

 

 

Eine zoologische Pfingstreise

 

Am 23. Mai, Nachmittags 6 Uhr, verließ eine kleine Hamburger Jacht von 4 1/2 Lasten den Kieler Hafen. Ein leichter Wind führte sie vor den freundlichen Landhäusern von Düsternbrook vorüber, hinter welchen die Buchen gerade in der schönsten Frühlingspracht standen. Die Sonne sank und von den Feldern flogen die Krähen über die weißen Segel hinweg in das Holz.

Während dieser Fahrt vertheilten die drei Kajütenpassagiere ihre Kleider und Wäsche, die Bücher, Mikroskope, Gläser und Seekarten in die Kajütenschränke. Oben auf Deck waren drei Mann Besatzung: zwei Kieler Bootsleute und ein Lootse aus Svendborg, der die Jacht durch die dänischen Gewässer, mit welchen er genau bekannt war, führen sollte.

Um 9 Uhr lief diese in die Rhede von Laboe ein, die durch einen breiten Steinwall gegen die Wogen der offenen See geschützt ist. Hier war das Wasser fast spiegelglatt. Bei solcher Ruhe kommen Abends gern kleine Thiere an die Oberfläche; daher stiegen wir, sobald die Jacht angelegt war, in das Boot und ruderten langsam hinter der Rhede hin, um mit feinen Filetnetzen die Oberfläche abzufischen. Das durchstreichende Wasser leuchtete in zahllosen schimmernden Pünktchen. Daran erkannten wir, daß es von vielen Thieren belebt war und spülten die Netzbeutel wiederholt in Schüsseln und Gläsern ab, bis das Wasser derselben ganz trübe erschien. Unterdeß hatte sich die Mondsichel am Himmel erhoben und warf einen langen matten Streifen über die zitternden Wellen bis zu uns heran.

Die Schüssel mit dem Fang stand auf dem Kajütentisch und rundherum saßen bei einer Stearinkerze die drei Zoologen vor ihren Mikroskopen und durchmusterten tropfenweis das Wasser. Da hatte Jeder den Andern anziehende Formen zu zeigen. Am zahlreichsten hatten sich Larven von Muscheln und Schnecken gefangen, die bald ruhig in ihren Schalen saßen, bald zwei runde Lappen mit langen schwingenden Wimpern hervortrieben und damit lebhaft umherschwammen. Diese Bewegungen waren außerordentlich anziehend und reizten zu immer erneuerter Betrachtung an. Sicherlich sind dieselben ein wichtiges Mittel, die Weichthiere zu verbreiten; denn haben diese erst ihre bleibende Form angenommen, so machen sie selbstandig keine weiteren Wanderungen mehr.

Neben den Weichthierlarven belebten besonders viele Wasserflöhe die Oberfläche. Dies sind sehr kleine Krustenthiere mit einem Auge, die sich ruckweis im Wasser herumtummeln. Wahrscheinlich waren diese behänden Schwimmer die vorzüglichsten Leuchtthiere unter unseren Gefangenen; doch waren auch Kranzthierchen darunter, welche bereits vor 30 Jahren bei Kiel als leuchtende Infusorien erkannt worden sind.

Sehr eigenthümliche Thierformen waren noch Larven von Seesternen. Der ausgebildete Seestern ist ein Strahlthier, von dessen Körperscheibe fünf Arme ausgehen, aus deren Furchen unten zahlreiche Füßchen hervortreten, die hin- und hertasten, sich ansaugen und den Körper langsam fortschieben. Das junge Thier aber, das aus dem Ei kommt, ist nicht strahlig, sondern symmetrich gebaut und schwimmt mittelst Wimpern, die auf bestimmten Stellen seiner Haut stehen. Die Formverschiedenheit zwischen dem jungen und dem ausgebildeten Tier ist so groß, daß die Zoologen beide anfangs für weit von einander entfernte Gattungen ansehen. In der Verfolgung dieser Verwandlungen liegt ein großer Reiz für den Zoologen. Sind in diesem Gebiete auch schon viele Entdeckungen in den letzten Jahrzehnten gemacht worden, so ist doch noch ein großer Reichthum unerschlossen.

Es war Mitternacht geworden. Untersuchungslust und Müdigkeit hatten schon einige Zeit mit einander gekämpft, als Einer sein Mikroskop entschlossen zusammenschob und in den Kasten legte. Diesem Signal gehorchten die Andern; ein Jeder machte sich sein Lager zurecht und bald schlummerten alle Drei im ruhigen Schifflein, über den Schätzen des Meeres, nach welchen sie ausgefahren waren.

Der 24. Mai brach an, ein Pfingstmorgen der schönsten Art mit hellem Sonnenschein aus klarer Luft über dem blauen Meere, das seine Oberfläche kleinwellig bewegte und mit den Sonnenstrahlen spielte. Am Lande war Festtagsstille, in die nur Vogelsang unter den Bäumen der Dorfgärten, fernes Glockengeläute und freundliche Morgengrüße der geschmückten Kirchgänger hineinklangen.

Wir wanderten durch das Dorf Laboe und freueten uns der wohlhäbigen Bauernhäuser und der üppigen Felder rings umher. Am Strande, auf dem wir zurückgingen, lagen Schichten von ausgeworfenenm Seegras, das dicke weiche Polster bildete, in die wir wie in einen nassen Schwamm einsanken; denn diese Seegrasmassen saugen das von den hochliegenden Feldern herabkommende Wasser ein und halten es unten fest, wenn sie auch an der Oberfläche weißgebleicht und trocken erscheinen. Das Seegras wächst hier im seichten Wasser so dicht, wie das Gras auf den Wiesen. Bei stürmischem Wetter wird es losgerissen und auf den Strand geworfen. Im Sommer wird es, wie jenes von Männern, die bis an die Kniee in´s Wasser gehen, abgemähet, auf das Land geharkt und getrocknet, um verkauft zu werden. Dabei finden Millionen von Thieren einen schnellen Tod, besonders einige Arten kleiner Schnecken, die auf den Blättern leben, und die man an den Trockenplätzen so reichlich wie Sandkörner auflesen kann.

Gegen 9 Uhr betraten wir unsere Jacht wieder; sie war schon klar gemacht und ging bei gutem Ostwind in See, die uns weißgeschmückt entgegenkräuselte. Wir hatten die Freude mehrere Fahrzeuge, die vor uns ausgegangen waren, zu überholen. An Fischen ist bei solcher Fahrt nicht zu denken. Bei bewegter See zeigt sich auch selten ein Thier an der Oberfläche und Grundnetze würden, wenn man sie auswürfe, verloren gehen; denn die Wucht des segelblähenden Windes würde die Leine zerreißen. Die einzige zoologische Beschäftigung dieses Tages bestand in der Untersuchung einiger Thiere, die wir am Tage zuvor gefangen hatten. Wir brachten nämlich kleine Krustenthiere unter das Mikroskop, um ihre Gehörorgane zu betrachten. Das ist ohne Verletzung thunlich, da der Kopf durchsichtig ist. Die Gehörorgane sind Bläschen, an welchen ein Nerv endigt. Sie enthalten ein Steinchen, das auf Borsten ruhet, die verschiedene Länge haben. Wenn man auf einer Trompete Töne verschiedener Höhe blasen läßt, während das Gehörbläschen im Gesichtsfelde des Mikroskopes liegt, so sieht man verschiedene Borsten schwingen. Ihre Bewegungen werden also wohl den Tonhöhen entsprechend auf den Gehörnerven wirken. Der Gehörstein verstärkt vielleicht die Wirkung ihrer Schwingungen.

Der ganze Tag war uns günstig. Wir blieben bis 10 1/2 Uhr unter Segel und gingen vor Assens auf der Insel Fünen vor Anker.

Nach Mitternacht weckten und starke Schwankungen des Schiffes. Wir glaubten anfangs, es sei ein Dampfer vorbeigegangen; da sie aber immer heftiger wurden, merkten wir, dass uns die See von draußen ihre Wogen heranwälzte. Als sich die Mannschaft versichert hatte, dass Alles fest sei, versuchten wir weiter zu schlafen, doch ließ das Auf- und Niederwiegen Keinen wieder in erquickenden Schlummer kommen. Gegen Morgen trommelte sogar ein heftiger Regen auf dem Kajütendach; doch verkündete der helle Osthimmel trotzdem einen guten Tag.

Um 6 Uhr schien die Sonne schon in die Kajütenfenster und durchleuchtete die Vorhänge brennend roth. Die Jacht lief in den Hafen von Assens ein und zog die Aufmerksamkeit der Leute auf sich, die sich am Strande versammelt hatten. Bald erschien ein Zollcontroleur, visitirte die Papiere und unterrichtete uns in gebrochenem Deutsch in feundlichster Weise über die Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Assens hat drei tausend und einige hundert Einwohner.  Es liegt auf sanft ansteigenden Hügeln, von denen man reizende Aussichten auf das Meer und auf grüne Küsten hat.

Hinter der Stadt waren üppige Getreidefelder. An der einen Seite liegt ein Wäldchen mit gepflegten Wegen für Spaziergänger. Die Straßen sind reinlich gepflastert, die Häuser meistens einstöckig. Die Kirche ist groß und im gothischen Styl gebaut.

Auf dem Telegraphenbureau war ein Beamter, der kein Wort deutsch verstand. Er reichte uns Papier und Feder, las uns dann unsere deutsch geschriebene Depesche ganz richtig langsam vor und sandte sie nach Hamburg. Wir zeigten unsere glückliche Ankunft in Assens und unsere bevorstehende Abreise nach Middelfart an.

Um 10 Uhr segelten wir ab und kreuzten bei kaltem Nordost auf den kleinen Belt zu.

Gegen Mittag kamen wir der Insel Fänöe zwischen Schleswig und Fünen so nahe, dass wir Häuser und Bäume deutlich erkennen konnten und eine Stunde später waren wir in dem Fänöe-Sund, der nur 1500 Fuß Breite hat. Seine Ufer steigen hügelig an und sind an beiden Seiten mit Buchen bis fast an den Strand herunter besetzt, Wir waren wie auf einem Strom. Noch vor einer halben Stunde hatte der kalte Wind die Wogenkämme über Bord geworfen, und hier war das Wasser spiegelglatt und die Sonne des zweiten Pfingsttages schien so warm auf uns hernieder, dass wir die Winterröcke abwarfen und uns behaglich durchwärmen ließen. Es war, als wären wir aus dem kalten Nordmeer mit einem Male auf einen südlichen Strom versetzt worden.

„Hier wollen wir bleiben !" war ein Gedanke und ein Wort von uns Allen. Die Ankerkette rasselte eilig hinab und kaum lagen wir fest, so wurden die Grundnetze in die Jolle gebracht und ausgeworfen. Dem Ufer nahe wuchs brauner Blasentang in starken Büscheln, zwischen welchen es hingezogen wurde. Welche Freude für uns, da es eine Menge von Bekannten emporbrachte. Da waren Bäumchen- und Hörnchenschnecken, Krustenthiere, Polypen und Muscheln von verschiedenen Arten, die wir im Kieler Busen schon oft gefischt hatten, aber manche doch von etwas veränderten Formen und Farben. Ja die Hörnchenschnecken hatten hier Kalkstäbchen in ihrer Haut, die den Kieler Exemplaren fehlen. Diese Entdeckung machte uns ganz besondere Freude, da sie uns eine Vermuthung bestätigte, die uns mitbestimmt hatte, unsere Reise auf die salzreicheren Auszüge der Ostsee auszudehnen; denn wir wussten schon, dass die Hörnchenschnecken der Nordsee Kalkkörper in der Haut bilden. Verschiedene äußere Lebensverhältnisse können also die Thätigkeit im Organismus der Thiere sehr verändern. Dadurch wird die Grenze einer Thierart erweitert, aber auch die wissenschaftliche Festsetzung derselben sehr erschwert.

Außer vielen Tieren, welche den Kieler Busen bewohnen, wurden auch einige dort noch nicht bemerkte Arten gefunden, von welchen ich nur den Sonnenstern, einen Seestern mit 11 Armen, anführen will. Diese große Zahl von Armen fiel unserm Bootsmann, der die Kieler Thiere recht gut unterscheiden gelernt hat, gleich so auf, dass er uns schon von Ferne: „Wat Nües, wat Nües !" zurief.

Das Aussuchen, Aufbewahren und Aufzeichnen unserer Funde nahm den ganzen Nachmittag in Anspruch. Abends um 7 Uhr waren diese Geschäfte beendigt und die Schneckenfischer gingen an´s Land und thaten einen Blick in das herrliche Grün der Insel Fünen und in die Gassen von Middelfart.

Middelfart liegt nicht weit vom Fänö-Sund. Wir erreichten es in einer halben Stunde. Zuerst steigt der Weg im Walde bergan, dann senkt er sich zwischen Feldern sanft hinab. An den Ufern des Fänö-Sundes hat der Wind die Buchen nicht hoch wachsen lassen; aber im geschützten Stande stehen Riesenbäume mit den herrlichsten Kronen. Rothes Laub wie in unseren Buchenwäldern war unter ihrem Laubdache selten zu sehen, sondern fast überall war der Boden dicht begrünt, besonders von Waldlauch, der stellenweise in reinen Beständen auftrat und starken Geruch verbreitete. Aus den niedrigen Waldkräutern erhoben häufig auch Farne ihre großen gefiederten Blätter.

Middelfart hat nur 1800 Einwohner. Die Gassen sind lang und bestehen meistentheils aus einstöckigen Häusern. Die fast alle weiß oder hellgrün gemalt sind. Nur in der Nähe des Hafens ist eine Straße mit zweistöckigen Häusern, von welchen einige sogar Kaufläden mit großen Schaufenstern enthalten.

In dem ersten Gasthofe waren nur dänische Zeitungen ausgelegt. Der Wirth sprach deutsch und sagte uns, er habe früher die Hamburger Börsenhalle gehalten, sie aber für die geringe Zahl ihrer Leser zu theuer gefunden.

Die Sonne war schon untergegangen, als wir an das Schiff zurückkamen; aber der Himmel war noch geröthet und warf sein verglimmendes Licht auf das spiegelglatte Wasser.

Ehe wir uns niederlegten, feuerten unsere Leute einen Schuß aus der Kanone ab, der dreimal wiederhallte, ehe er nach und nach in der Ferne verklang. Dann war kein Laut mehr zu hören, auch nicht die leiseste Bewegung im Wasser. Aber am frühen Morgen gegen 3 Uhr weckte mich der Vogelgesang auf, der von allen Seiten erschallte; besonders laut trugen Drosseln und Finken ihre Lieder vor. Manchmal strich auch eine Krähe ihre eintönige Bassgeige dazwischen. Nach Sonnenaufgang wurde das lustige Walsvölkchen wieder ruhiger und die Schafe, welche am grünen Ufersaum angebunden lagen, riefen ihren Morgengruß herüber.

Als wir aufgestanden waren, kam ein frischer Wind auf, der uns veranlasste, die Jacht in das ruhige Wasser des Ufers der Insel Fänö zu legen. Hier konnten wir unter dem Schutze der Buchen unsere Fischerei fortsetzen. Die Grundnetze sanken 70-80 Fuß tief. Der Grund war lehmig und sandig, und trug zarte rothe Tange, auf welchen nackte Schnecken und Seespinnen lebten. Die letzteren haben einige Aehnlichkeit mit den langbeinigen Weberknechten; doch ist ihr Leib noch viel dünner und die Beine sind verhältnismäßig noch länger. Der Leib ist so klein, dass der Magen darin nicht Platz genug hat, sondern sich bis in die Beine hinein verzweigt. Als diese Thiere von den Algen abgelesen wurden, zogeb sie die Beine spitzwinkelig über dem Rücken zusammen und bedeckten damit ihre 4 Augen. Diese sonderbare Stellung sah wie eine Angstgeberde aus.

An den seichteren Stellen saßen Schaaren von durchsichtigen hellrothen Seescheiden auf Blasentang. Diese Thiere sind niedrige Weichthiere, deren biegsame Schale zwei Oeffnungen zum Ein- und Austritt des Wassers hat. Ihre Ernährung wird durch die starke Strömung im Fänö-Sund sicherlich sehr befördert, denn der Grund enthält hier weniger verwesende Pflanzen- und Thierstoffe als in ruhigen Buchten.

Auf den Tangen wohnten auch viele kleine . Einer, der Keulenpolyp, war reich mit Knospen besetzt, die wie rothe und rothblaue Beeren von der Größe eines Stecknadelkopfes unter den Fühlfäden des keulenförmigen Körpers zusammengedrängt waren.

Von Moosthieren, sehr kleinen polypenförmigen Weichthieren, fanden wir eine in der inneren Ostsee noch nicht beobachtete Art, nämlich die blattförmige Seerinde, die grau wie ein abgestorbenes lappiges Blatt aussieht und aus einer Gesellschft regelmäßig vereinigten Thiere besteht. Ein jedes hat seine Zelle mit einer lippenförmigen Oeffnung, durch welche es sich hinausschiebt und einen Kranz von Fäden entfaltet, um Nahrung einzziehen. Mit der Zelle hängt es durch einen Muskel zusammen, der es in dieselbe zurückziehen kann. Im Grunde selbst lebten viele Arten Würmer. Manche bilden sich Röhren aus Schlamm ode Sand, welchen sie durch Schleim, den ihre Haut absondert, Festigkeit geben. Die zierlichste Röhre hat der Köcherwurm. Sie ist am unteren Ende eng, am obern weit und an beiden offen. Der beunruhigte Wurm zieht sich so zusammen, dass man die Röhre leicht für leer hält. Im Aquarium schiebt er aber den Kopf hervor und zeigt dann die goldglänzenden Borsten desselben.

An einigen Stellen des seichten Wassers steckten Miesmuscheln so dicht wie gepflastert im Sande. Dies waren vortreffliche Nahrungsplätze für rothe Seesterne, von welchen viele auf den Muscheln lagen und sich den Magen dermaßen damit angefüllt hatten, dass ihr Rücken einen hohen Buckel bildete. Sie saugen das Fleisch aus und stoßen die leere Schale wieder aus.

Die kleine Insel Fänö ist hügelig. Am Strande sind Buchenwäldchen und Wiesen; der Mittelrücken trägt Felder, die hauptsächlich mit Roggen und Rübsen besäet waren. Die Bauernhöfe liegen zerstreut und bilden mit Wald- und Seehintergrund oft die freundlichste Landschaft.

Gegen Abend verließ die Jacht eines der schönsten Ufer, an welchen sie je geruht hatte. Als sie bei frischem Winde aus dem Sunde hinauskreuzte, brach die Sonne hell durch das Gewölk und warf freundliche Strahlen auf die hügeligen Ufer von Fünen und Fänö, die bei jeder Wendung in einer anderen schönen Lage erschienen. Die Buchen erhoben ihre Wipfel an manchen Stellen terrassenförmig über einander; an flachen Ufern zogen sich Fichten, Laubgebüsch oder Wiesen bis an die See. Hier und da blickten weiße Häuser aus dem Grünen hervor. Am Strande Fünens ragten große Steinblöcke aus dem Wasser, auf welchen sich eine Reihe Fischreiher aufgestellt hatte. Ein Schuß schreckte sie auf; sie erhoben sich und flogen einer hinter dem andern mit schweren Flügelschlägen in´s Weite.

Als es dunkel wurde, lief die Jacht in den Hafen von Middelfart ein, um hier während der Nacht zu liegen. Ehe wir zur Ruhe gingen, erhielt die Mannschaft Befehl, um 5 Uhr Morgens, wenn Wind und Wetter günstig wären, in See zu gehen.

So geschah es am 27. Mai. Die Sonne schien schon hell durch die Fenster, als uns die Bewegungen des Schiffes weckten.

Jütland im Westen, Fünen im Osten, lief die Jacht vor dem Winde her und durchschnitt rasch die immer größer werdenden Wogen. Ein Sturmstoß nöthigte sogar, die Segel mehr zu reffen. Um 12 Uhr liefen wir in einen kleinen Hafen der Insel Samsö im südlichen Theile des Kattegats ein. Er heißt Brandbyfalle und ist an der Mündung eines Flüsschens angelegt. Am Ufer standen nur wenig Häuser, deren Bewohner bald neugierig um uns versammelt waren. Unter ihnen machte sich einer durch seine schwarze Kleidung und sein hageres, intelligentes Gesicht als der Lehrer des Platzes kenntlich, doch trug er ebenso wie die Uebrigen jütische Holzschuhe mit drei Absätzen. Dieser errieth bald den Zweck unserer Reise und theilte uns seine Kenntnisse über die Thiere der Küste mit; sie erstreckten sich jedoch nur über die gemeinsten Arten.

Das Fahrzeug lag nur eine Stunde hier. Während dessen machten wir einen Gang landeinwärts, sahen aber nur dürftige Strandwiesen, sandige Felder und kleine Häuser, neben welchen kümmerliche Obstbäume standen. Wald war nirgends zu sehen. Das Innere der Insel soll jedoch fruchtbar sein und mehr Getreide erzeugen, als ihre Bewohner bedürfen.

An den Steinen und Pfählen des Hafendammes lebten drei Arten Strandschnecken und verschiedene kleine Krustenthiere, die wir zur Vergleichung mit denselben Formen anderer Localitäten reichlich in Spiritus setzten.

 

In Brandbyfalle erhielten wir Auskunft über einen guten Hafen im Norden der Insel. Dahin richteten wir unseren Cours und steckten die Lootsenflagge auf. Gegen 3 Uhr kam ein Lootse an Bord. Es war ein Mensch mit zerrissener Kleidung und schmutziger Haut, mit großer Nase und vorspringender Unterlippe, die ihm, zusammen mit den matten Augen, ein sehr dummes Ansehen gab. Hätte Muth in seinem Gesicht gelegen, so würde er eher den Eindruck  eines Seeräubers als eines Vertrauen erweckenden Lootsen gemacht haben.

Der flache Grund, worüber er uns leitete, trug Seegras. Ein Zug mit dem Grundnetz belehrte uns, dass hier, wie gewöhnlich an flachen Sandstränden, sehr wenig Thiere leben.

Nach langwierigem Kreuzen liefen wir gegen 5 Uhr in den Hafen von Langöre ein. Er liegt in einer Bucht, die von einer schmalen halbmondförmigen Landzunge umfasst wird, auf welcher sich einige ansehnliche Hügel erheben. Die innere Seite dieser Landzunge ist dicht mit erratischen Blöcken besäet, die selbst kleinen Böten das Landen erschweren.

Der Hafen ist durch Stein- und Pfahlwerke gesichert. Man war gerade mit dem Einrammen von Pfählen beschäftigt, die, so weit sie unter Wasser kommen sollten, gebrannt und mit großköpfigen Eisennägeln beschlagen waren. Nach Aussage des Zimmermanns, der hier arbeitete, soll dieses Mittel die Schiffsbohrer abgehalten haben. In Cuxhaven hat man jedoch gefunden, dass der Rost die Nägel bald zerstört und dann die Muscheln das Holz auch angreifen.

In der Ostsee leben zwei Arten von Schiffsbohrern, der gemeine und der norwegische; sie sollen erst seit wenig Jahren eingeschleppt sein, beide sind Bewohner der Kieler Bucht. Die lange Zeit streitige Frage, auf welche Weise sie ihre Löcher bohren, ob durch Auflösung oder durch ein mechanisches Mittel, ist jetzt befriedigen gelöst. Sie drehen durch besondere Muskeln ihren Vorderkörper in halben Umgängen um seine Längsachse und feilen das Holz mit den feinen Zähnchen der Oberfläche ihrer Schale aus, Solche Zähnchen von mikroskopischer Feinheit stehen auf größeren Schalen gegen 14,000. Die abgenutzten werden während der Ruhezeit durch neue ersetzt, die am fortwachsenden Rande der Schale entstehen. Die Muschel nährt sich nicht von dem abgefeilten Holz, sondern führt es durch die Strömung, welche sie dem Wasser beim Athmen ertheilt, aus der Röhre hinaus. Diese bohrt sie nur, um darin zu wohnen. Ihre Nahrung sind verwesende Pflanzen- und Thierstoffe oder mikroskopische Organismen, die ihnen der Athemstrom in den Mund führt.

Bald nachdem der Anker gefallen war, kam der Zollcontroleur auf die Jacht und fragte nach unserer Befrachtung. Er überblickte die Schiffs-Papiere und sagte, dass er hier noch keine Hamburger Flagge gesehen habe. Er war ein geborener Berliner, der preußischer Tambour, Theaterschreiber und dänischer Unteroffizier in Rendsburg und Kopenhagen gewesen war; als solcher hatte er gegen die Schleswig-Holsteiner gekämpft und saß seit 10 Jahren auf diesem öden Platze in Amt und Würden. Er schien mit seiner Stellung sehr zufrieden zu sein und rühmte sich des lockern Lebens seiner Vergangenheit, obgleich er schon im 61sten Jahre stand, in widerlicher Weise.

Am Hafen von Langöre stehen nur einige kleine Häuser. Die angepflanzten Eschen, Zitterpappeln und Obstbäume sind kümmerlich. Am Strande sind Strandnelken und Löffelkraut die vorherrschenden Kräuter. Die Hügel landeinwärts waren mit Gras bedeckt, aus welchem sich an geschützten Stellen die weißen Blüthen des körnigen Steinbrechs erhoben.

Den Strand beleben Regenpfeifer und verschiedene Mövenarten. Manche kleine Buchten zwischen den erratischen Blöcken waren ganz weiß von ihnen bedeckt. Unsere Ankunft störte sie in ihrer Ruhe; sie flogen auf und schwebten ängstlich über uns auf und nieder, bis uns die einbrechende Dunkelheit an unser Schiff zurückrief.

Der Morgen des 28. Mai war trübe und kalt. Dennoch wurde eifrig gefischt. Der Grund der Bucht ist fester Sand mit wenig Schlammtheilen gemischt. Er trägt Seegras und einige Algen, auf welchen wir die meisten Thiere fanden. Recht häufig leben einige nackte Schnecken darauf. Eine mit rothen Rückenfäden kroch auch häufig am Pfahlwerk des Hafens herum, wo das Wasser so klar war, dass man sie über einen Faden tief erkennen konnte.

Sehr erfreut waren wir über einen am Seegras sitzenden Polypen, den vierhörnigen Seeschirm ( Lucernaria quadricornis). Dieses Thier ist olivengrün und ungefähr einen Zoll lang und besteht aus einem runden Stiel, auf welchem sich ein häutiger Becher ausbreitet, der sich in 4 Zipfel theilt. Jeder Zipfel gabelt sich in 2 Arme, deren Ende eine Menge Fäden trägt, die zum Kriechen und Fangen von Thieren dienen. Dieser Polyp ist an einigen Punkten der Helgoländer Küste häufig: als Bewohner der Ostsee war er bisher noch nicht bekannt. Er lebt auch im Kieler Busen und erhält sich leicht in Aquarien, denn die bei Samsö gefangenen Exemplare sind jetzt noch am Leben und lassen sich mit rohem Fleisch ebenso wie Seerosen füttern. Sie umklammern es mit den Fangfäden, drücken es in den Mund im Grunde des Bechers hinunter und schließen diesen dann mit den eingezogenen Armen zu.

Am Nachmittag wurde die kleine Insel Kyholm vor der Bucht von Langöre besucht. Menschen waren daselbst nicht; eine kleine Heerde junges Rindvieh weidete unbewacht das üppige Gras ab. Auf verwilderten Beeten blühten Narcissen, Tulpen und Immergrün. Die einzigen betretenen Wege waren Rattengänge. Kyholm war bis zur Aufhebung des Sundzolles ein Quarantäneplatz. Nun sind alle Häuser abgetragen; die wilden Gewächse erobern sich ihre alte Heimath wieder und überwuchern die verfallenen Gräber, und die Seevögel brüten wieder in ungestörter Ruhe.

Als die Sonne im schönsten Roth hinter den kahlen Hügeln der Insel Samsö hinabgesunken war, machte ich noch eine Wanderung an der Küste von Langöre entlang. In den Häusern war Alles still, kein Licht und kein Mensch mehr zu sehen. Ich folgte endlich einer langen Steinmauer, welche eine am Strande liegende Viehweide von den bebauten Feldern trennte. Die jungen Rinder lagen zerstreut schon in Ruhe uns schauten mir verwundert nach. Der Mond warf helles Licht auf die bewegte Meeresfläche in der Bucht, dass sie weithin flimmerte. Von dem ferneren westlichen Ufer der Insel tönte das Rauschen des freien Meeres durch die nächtliche Stille und dann und wann ließ ein Regenpfeifer seine einfachen Töne hören.

Am 29. Mai gingen wir 5 ½ Uhr Morgens in See. Der Lootse führte uns mit NW-Wind aus dem Hafen und verließ uns bei Kyholm. Wir steuerten nach Värö, wo wir nach 7 Uhr ankerten und mit dem Boote an das Land setzten. Die Ufer dieser Insel verlaufen nur an einer Seite flach; meistentheils sind sie steil, an einigen Stellen 80´ hoch. Hier hatten Schwalben ihre Löcher eingegraben. Diese Vögel finden an den Mücken, die ihre Entwicklung wahrscheinlich in den kleinen Wassertümpeln der Insel vollbringen, reichliche Speise. Als wir an unsere Yacht zurückkamen, war sie dicht von Mücken umschwärmt und besetzt.

Värö trägt keinen einzigen Baum. Die größten Holzpflanzen sind Weißdorngebüsche und wilde Rosensträucher. Sie bilden kleinere und größere Gruppen, die undurchdringlich dicht sind und sich gewöhnlich backofenförmig abrunden. Unter diesen grünen Dächern legen wilde Gänse ihre Nester an. Diese sind bloße Vertiefungen, zu welchen ein enger Eingang führt, der dem aufmerksamen Sucher die Brutstätte verrathen kann. Wir sammelten 24 Eier von 2 Gänsearten, die unsere Ankunft aufgestört hatte, so dass sie sich in kleinen Trupps von einer Stelle zur anderen warfen. Ueber den Wasseransammlungen auf der Insel flogen auch viele Kibitze ängstlich auf und nieder. Der Graswuchs war sehr üppig und wird von den Bewohnern der Insel Samsö verwerthet. Sie bringen auch hierher wie nach Kyholm im Sommer junges Rindvieh. Auf Värö wird es von einem Hirten gehütet, der schon vor uns viele Gänsenester ausgenommen hatte.

Gegen 9 Uhr waren wir mit Eiern, einigen erlegten Vögeln und gesammelten Pflanzen wieder am Bord der Jacht. Der Wind war unterdeß nach SSW. Umgesprungen und hinderte uns auf Korsör zu steuern, was wir beabsichtigt hatten. Wir wandten uns daher nach Aarhuus, um nöthigenfalls unsere Rückreise mit dem Dampfschiff machen zu können.

Der ganze Himmel belegte sich mit dickem Grau, und das Meer sah trübselig aus. Der Regen klatschte an das Kajütenfenster und hielt uns eingesperrt. Schweigsam saßen wir bei Büchern und Mikroskopen und durchsuchten den Sand, den wir aus dem Hafen von Langöre mitgenommen hatten. Das langwierige Suchen wurde endlich durch die Entdeckung von einigen Arten Wurzelfüßlern belohnt. Diese kleinen Thiere besitzen einen sehr einfach organisirten Körper, dessen weiche Masse zu langen Fäden ausgestreckt werden kann, die zum Kriechen, Tasten und Ergreifen der Nahrung dienen. Die Schalen der gefundenen bestanden aus aneinanderhängenden Kammern, aus deren Poren die weichen Fäden hervortreten. An den Küsten warmer Meere sind solche Wurzelfüßler-Schalen stellenweise so reichlich abgelagert, dass sie den Hauptbestandttheil des Grundes ausmachen.

Um 4 Uhr lief die Jacht in den Hafen von Aarhuus ein. Dieser ist ein großes von Pfahlwerk umgebenes Viereck. Es lagen nur wenige Schiffe darin. Aarhuus treibt besonders mit dem Norden Handel, den die dänische Regierung in För zu bringen sehr bemüht ist. Das Leben am Hafen und in den Straßen der Stadt überraschte uns. Wir fanden sogar Hülfsmänner und nahmen einen, der gebrochen deutsch sprach, als Führer an. Zunächst schickten wir eine Depesche nach Hamburg, dann besuchten wir die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Die 700 Jahre alte Kirche ist ein hoher gothische Bau, der uns schon in See aufgefallen war. Einige Bogen zwischen den Hauptpfeilern des Schiffes trugen bunte Wandgemälde. Solche sollen einst an der ganzen Decke gewesen sein, die jetzt weiß getüncht und mit goldenen Sternen besetzt war. Der Chor ist groß, hat an jeder Seite eine Reihe alter Stühle und am Ende derselben noch einen abgeschlossenen Beichtstuhl. Die innere Einrichtung der ganzen Kirche sieht noch sehr katholisch aus. Die Geistlichen tragen auch bei Festlichkeiten rothe und gelbe, mit Silber und Gold gestickte Gewänder, die in Glasschränken hinter dem Altar aufgehängt waren. Dieser ist mit altem Schitzwerk und biblischen Gemälden verziert.

Am Eingange, im Thurm, steht in einem großen Seitengemach ein Grabdenkmal im Renaissancestyl aus weißem und schwarzem Marmor ausgeführt. Die Mitte desselben nehmen drei Figuren mit großen Perücken ein. Diesem geschmacklosen Kunstwerk gegenüber ist in einer Nische eine kolossale sitzende Gypsstatue Thorwaldsens aufgestellt, die einen wohlthuenden Contrast mit ihrem vis-à-vis bildet.

Unser Hülfsmann führte uns dann vor die Stadt nach „Freundes Lust", einem neuen Belustigungsort, der das Kopenhagener Tivoli en miniature ist. Da das Wetter schlecht war, fanden wir jedoch keinen Besuch im Garten, der eine Schaubühne, Tanzplätze, Caroussels, Schießbahnen u.a. Vergnügungseinrichtungen enthielt. Bei gutem Wetter soll sich hier jeden Tag eine Menge Menschen einfinden, wie uns der Komiker der Sängertruppe, den wir mit Kellnern beim Kegelschieben fanden, belehrte. Er war ein Hamburger und wunderte sich sehr, dass wir ihn nicht kannten, da er doch Jahre lang Kellner im Alsterpavillon gewesen sei.

Der Morgen des 29. Mai war so schön und der Wind so günstig, dass wir hofften, bis zum Abend Korsör erreichen zu können und daher früh ausliefen. Die Jacht segelte schnell zwischen Jütland und Samsö nach Süden, als sie aber in den großen Belt eingefahren war, wurde es flau und sie trieb nur noch mit dem Strome fort, der glücklicher Weise gerade südwärts ging. Diese ruhige Zeit wurde zum Fischen benutzt. Das Grundnetz wurde wiederholt ausgeworfen und brachte aus 14-15 Faden Tiefe Steine und Pflanzen empor, die mit ganz unerwarteten Thieren besetzt waren. Wir fischten zwei Arten Schlangensterne, eine kleine mit Schuppen bedeckte Seewalze, drei Arten Seeigel und viele Arten Schnecken und Muscheln, die bisher noch nicht als Ostseebewohner bekannt waren. Auf einigen Steinen saßen auch Gruppen von Röhrenwürmern, die jetzt noch hier in den Aquarien ihre blauen und rosenrothen Kopfbüschel entfalten; andere waren mit großen Seepocken bewachsen, zwischen welchen sich ein stachelartiger Schlangenstern festgeklammert hatte. Im Sande aus diesen Tiefen lebten 3 verschiedene Arten von Wurzelfüßlern, wovon eine so groß ist, dass sie das bloße Auge leicht bemerken kann. Da gab es zu arbeiten! In Gläsern krochen und entfalteten sich neue Thierformen vor unsern überraschten Augen.

Am Nachmittage kam wieder Wind auf, der die Nacht hindurch günstig anhielt. Unser Lootse war so genau mit dem Fahrwasser bekannt, daß er die ganze Nacht hindurch segelte und am 30. Mai Mittags die Jacht wieder in die Kieler Bucht einführte.

Unsere Reise hatte uns mehr Belehrung gewährt, als wir erwarteten. Thierarten, welche den Kieler Busen bewohnen, nehmen auf dem Weg nach dem Kattegat hin Eigenschaften an, die sie den britischen Exemplaren ähnlicher machen. Die wichtigste Entdeckung ist aber  die Verbreitung vieler Nordseeformen bis in den großen Belt hinein. Die wichtigste Bedingung ihres Bestehens in dieser Wasserstraße von der Ostsee zur Nordsee ist wahrscheinlich der steinige Boden; denn der Salzgehalt des Wassers ist hier großen Schwankungen unterworfen und mehrere Thiere des großen Beltes leben noch heute in Aquarien, die mit Wasser aus dem Kieler Hafen gefüllt sind. Wenn weiter südwärts im inneren westlichen Becken der Ostsee ähnliche Grundverhältnisse vorkommen, so werden sie wahrscheinlich auch von denselben Thieren bewohnt sein. Die Ostsee ist nicht mehr das thierarme Brakwasser, als welches sie von den Zoologen bisher angesehen wurde. Man muß sich hüten, anzunehmen, daß da keine Thiere leben, wo sie noch nicht ernstlich gesucht worden sind.

Bilder aus Meyer/Möbius (1865). Die Fauna der Kieler Bucht, Leipzig.

Fotos Kai Becker

 bearbeitet und hrsg. Friedemann Prose Juli 2011