Die Saint Michel III

 

Aus: Jules Verne´s Reise zum Mittelpunkt des Nordens 1881

(v. Friedemann Prose, Kiel 2012, Ed.)

 

 Die Saint-Michel

Bevor wir den Reisebericht fortsetzen, dürfte es, wenn unsere Leser uns auf unseren Wanderfahrten durch die Nordsee und das baltische Meer folgen wollen, wenn sie auf die Beobachtungen, die wir auf unserer Kreuzfahrt gesammelt haben, neugierig sein sollten, nicht unnütz sein, ihnen in wenigen Worten das Schiff vorzustellen, an dessen Bord wir gegangen sind.

 

Die Saint Michel, - deren geringe Abmessungen auf den ersten Blick allzu weite Seereisen zu verbieten scheinen,- ist eine bezaubernde Dampfyacht von dreiunddreißig Metern Länge, hat achtunddreißig Registertonnen für den Grenzzoll gleich siebenundsechzig Schiffstonnen entsprechend den Massen des Yacht-Clubs von Frankreich, dessen dreifarbigen Wimpel mit dem weißen Stern sie an der Mastspitze trägt.

Durch die Firma Jollet und Babin 1876 in Nantes gebaut, verbindet sie eine solide Verarbeitung, die über jeden Zweifel erhaben ist, mit sehr bemerkenswerten nautischen Vorzügen, die es ihr erlauben im Notfall schlimmem Wetter zu trotzen und sich aus der Affäre zu ziehen, wenn etwas schief gegangen sein sollte. Nach Aussage von Thomas Atkins würde sie bei einem Sturm, den sie durchzustehen hätte, sogar mehr Sicherheit bieten als ein Schiff mit einer beträchtlich größeren Tonnage. Aber die Meinung des "gentleman" sollte mit Vorbehalt aufgenommen werden; denn für ihn musste sich eine "so kleine" Yacht, die ihm "so dick" in "so kurzer" Zeit etwas einbrachte, selbstverständlich der Vollkommenheit annähern. Beschränken wir uns also darauf, seine hohe Meinung zur Kenntnis zu nehmen; aber der Himmel gebe, dass wir niemals gezwungen sind, ihren Wahrheitsgehalt durch Erfahrung beweisen zu müssen.

 

 

Die Saint-Michel ist ein Schiff aus Eisen, als Goélette[5] getakelt, mit fünf wasserdichten Schotten, vom Halbzweck-Typ[6]. Ihre Maschine von fünfundzwanzig Pferdekräften zu dreihundert Meterkilogramm - gleich mehr als hundert effektive Pferdekräfte - kann eine Geschwindigkeit von neun bis neuneinhalb Knoten in der Stunde machen. Diese Geschwindigkeit kann auf zehneinhalb Knoten gebracht werden, wenn das Segelwerk hinzugefügt wird. Das ist sehr wichtig und erlaubt bei Bedarf, die Yacht in ein Segelschiff umzuwandeln, wobei man die Schiffsschraube entkuppelt. Unter diesen Bedingungen erreichte die Saint-Michel immer noch bei einer guten Brise eine Geschwindigkeit von sieben bis acht Knoten und würde, falls es zu Havarien an ihrer Maschine kommt, noch eine sehr gute Figur als Segler machen.

 

Angaben zur Besegelung der Saint Michel III:
 
- Großsegel
89,25
 Quadratmeter
     
- Misaine
64,30
         "
     
- Trinquette
36,40
         "
     
- Fock
34, 65
         "
 
______________
____________
 
224,90
         "
     
- Flieger
25,00
         "
     
- Flieger
25,00
         "
 
______________
______________
     
 
274,90
 Quadratmeter
     

 

 

Aber die Maschine ist absolut perfekt. Sie ist nach dem "compound" System gebaut, mit zwei ungleichen Zylindern und einem Oberflächenkondensator, und wurde von M. Normand aus Le Havre entworfen. Aus den Werkstätten der Herren Jollet und Babin stammend, macht sie ihnen die allergrösste Ehre.

Was die Aufteilung der Yacht unter Deck betrifft, hier ist sie: im Achterschiff befindet sich ein Salon, in den man über eine gerade Treppe gelangt, die den Raum geschickt nutzend zwischen einer Stewardkabine und einem anderen unentbehrlichen Kabinett hinabführt; durch diesen in Mahagoni gehaltenen Salon hindurch, dessen niedrige Sofas man in Liegen umwandeln kann, gelangt man in die Schlafkabine, die mit zwei Betten, Waschtischen, Schrank und Schreibtisch in heller Eiche möbliert ist. Dann kommen die Maschine und der Feuerungsraum, die den grössten Teil des Raumes mittschiffs einnehmen. Der Essraum im Vorschiff wird über eine Treppe mit viertel Drehung versorgt, die zwischen der Kaptitänskajüte und dem Office hinuntergeht, und steht mit der Kombüse in bequemer Verbindung. Jenseits der Kombüse ist das Mannschaftslogis, zu dem sechs Hängematten für Matrosen zählen. Alles in allem gibt es nichts anmutigeres als diese Dampf-Yacht mit ihrem hohen nach hinten geneigten Mastwerk, ihrem schwarzen Rumpf, der durch einen weissen Streifen an der Wasserlinie und an der Bordkante hervorgehoben wird, ihre Oberlichter mit den Gittern aus Kupfer, ihren Luken aus Teakholz, und der Eleganz der Linien, die sie vom Heck bis zum Vordersteven umzeichnen.


[5] Gaffel-Schoner

[6] ein Motorsegler